Auch wenn dieser Tage mehr darum gekämpft wird als das jemals zuvor der Fall war, sind die Zeiten den freien Internets vorbei. Es war ein Traum, ein sehr schöner Traum sogar, aber es hat sich aus-geträumt.

Vorbei sind die Zeiten in denen das Internet nur Nerd-Spielzeug war, es ist alltäglich und mitten in der Gesellschaft angekommen. Schaut euch doch mal um, Tante Erna hat einen Facebook-Account und Mutti schaut Rezepte bei chefkoch.de auf dem Tablet nach.

Internetsperren wie jetzt in Großbritannien angekündigt werden nur der Anfang sein, und Provider die ihre eigenen Mehrwertdienste durch Drosselung der anderen, freien, Angebote puschen nur die Spitze des Eisbergs.

Vor Jahren war ein etwas komischer Provider mal sehr populär, nämlich AOL. Dort bekam der, meist eher wenig technik-affine. Kunde eine Art AOL-internes-Mini-Internet dazu. Auch wenn nach AOL selbst schon lange kein Hahn mehr kräht, wird dieses Modell angereichert mit ein paar „Errungenschaften“ der letzten Jahre die Zukunft sein.

Eine schöne übersichtliche Oberfläche, mit ausgewählten Angeboten, die man schnell, und ohne viel Ahnung haben zu müssen, erreichen und nutzen kann. Wie mit den App-Stores die sich auf allen Systemen ausbreiten, was darin enthalten ist wird genutzt, alles andere fällt hinten runter, und ist nur über Umwege erreichbar. Freut ihr euch nicht auch schon auf den (Web-)App-Store eures Providers, der für euch netterweise vorher auswählt was sich lohnt anzusehen, und was nicht. Der Seiten ausschließt die nicht in seine Philosophie passen (wie Apple es in iTunes schon häufig getan hat) oder die schlichtweg kein Geld bringen, da sie kostenlos sind? Bezahlen kann man bequem über die Rechnung des Anbieters, alles aus einer Hand, oder besser gesagt, alles in eine Tasche und nur mit einem Klick erledigt.
Nicht mehr lange, und wir wählen keine Übertragungsraten mehr als Kriterium für unsere Anschlüsse, sondern wie bei Pay-TV die enthaltenen Pakete. Dann gibt es DSL wahlweise mit dem Video-Paket, dem Sozial-Network-Paket oder auch dem Musik-Paket. Alles was nicht enthalten ist gibt es gar nicht, oder nur so dass es keinen Spaß macht. Die Seiten von Spiegel und Focus laden dank „Power-News“-Tarifoption rasend schnell, während Blogs ohne aktivierte „Social-Flash“-Option laden wie zu Modemzeiten, aber auch nur die bei den großen Hostern.

Unbekannte Domains sind „aus Sicherheitsgründen“ erstmal komplett gesperrt. Zum Glück gibt es ein Paket das auch diese verfügbar macht, wenn man es denn versteckt in den Untermenüs der Vertragsverwaltung findet.

Natürlich wollen wir das alle nicht, aber nur weil wir es erkennen, und das tun viele eben nicht. Tante Erna und Mutti ist das nämlich egal.

 

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